Peichang Jin: Der Kampf um das Gleichgewicht
#1
Panik...heillose Panik das war was der Soldat in den Augen der Flüchtenden sah. Er wusste die Erhabenen würden ihm die Haut vom Leibe abziehen lassen wenn er sie durch das Tor in die andere Welt ließe doch was machte es jetzt noch für einen Unterschied? Der Schrecken war da und hatte die Städte überrollt. Die Toten erhoben sich und noch unsäglichere Kreaturen verwüsteten das Land. Die Erhabenen in ihren Türmen wurden dezimiert genauso wie die Soldaten die gegen ihre bereits gefallenen Kameraden kämpften.
Nur ein Erhabener war in scheibarer Sicherheit er führte die Expedition in die andere Welt. Vor Jahren hatte man schon einen Weg gegen den immer mächtiger werdenden Gegner gesucht. Alle Versuche waren gescheitert. Und der Versuch den der Erhabene Dun-Relu begonnen hatte schien wenig erfolgversprechend: Die flucht aus dieser verlorenen Welt.
Schon seit 10 Jahren stand das Tor und die Expedition war darin verschwunden.
Der Soldat sah, dass die flüchtenden von den Kreaturen verfolgt wurden. Er packte seine Naginata fester und machte sich auf den Ansturm bereit. Einige Flüchtende wurden von der brodelnden Masse der Kreaturen eingeholt und gingen in einem blutigen Nebel unter, nur um bald darauf wieder aufzustehen und sich den Kreaturen anzuschließen. Jetzt waren die letzten Flüchtlinge durch das Tor und die Kreaturen kamen heran. Der Soldat wollte den ersten Schlag abfangen doch ein weißer Schatten huschte an ihm vorbei und warf die Kreatur in die Menge ihrer Kameraden welche durch die schiere Wucht des Angriffs nach hinten getrieben wurden.
Umgeben von einer blauen Aura die das Chi der Philosophen bildete Stand der Erhabene Dun-Relu vor den Kreaturen welche zögerten aber von der Masse die hinter ihnen war vorgeschoben wurden.
"Soldat Flieh! und berichte meinem Sohn Dun-Goralin was hier passiert ist. Er soll trotz seiner Jugend die Führung übernehmen. Und sag ihm dass der Ausgleich der Kräfte das wichtigste ist und das Schicksal von Welten bestimmen kann!" hallte die Stimme über den Vorplatz des Portals. Der Erhabene trat zu dem Soldaten und berührte ihn an der Brust. Wie von einer Riesenfaust getroffen flog der Soldat in die unwirklichen Wirbel des Portals welche offenbar den Weg in eine andere Welt bezeichneten...
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#2
Jahr 1 nach der Flucht

Es ist nun ein Jahr her als die letzten Überlebenden aus der alten Welt kamen und ein einfacher Soldat mir die letzten Worte meines Vaters überbrachte bevor das Tor zusammenbrach. Somit bin ich der Letzte in dessen Adern das Blut der Erhabenen nahezu unverdünnt kreist. Die gute handvoll Leute sehen zu mir auf als sei ich etwas besonderes doch ist das nicht ein Relikt des alten Kastensystems unserer alten dekadenten Lebensweise?. "Ausgleich ist alles" meinte mein Vater immer...Ausgleich...Peichang Jin in der Sprache der Erhabenen. So soll die Siedlung heißen die aus der Expedition und den paar Flüchtlingen hervorgegangen ist.
Das alte Kastensystem soll von nun an der Vergangenheit angehören. Jeder Mensch darf ab sofort mit jedem anderen Menschen ein eine Ehe treten. Viele haben das Blut der Erhabenen stark verdünnt. Vielleicht gelingt es uns so einige unserer Kinder mit starkem Chi zu segnen. Aber alle die den Umgang mit dem Chi lernen sollen nicht Herrscher sondern Anleiter werden. Nicht versklaven wie früher sondern allen anderen, deren Chi nicht so stark ist, helfen und sie beschützen.
Da diese Welt bewohnt ist und wir die Eindringlinge sind werden wir hier nicht als Eroberer kommen. Wir müssen uns anpassen damit diese Welt im Gleichgewicht bleibt. Also werden wir uns auch mit den hiesiegen Bewohnern der Wälder und Gebirge verbinden und auch bei ihnen jene suchen deren Chi stark ist.
Vielleicht haben wir so eine Zukunft in dieser neuen Heimat. Vielleicht müssen wir weiterziehen. Vielleicht ist es aber auch unser Untergang...
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#3
Jahr 5 nach der Flucht

Sind schon fünf Jahre her seit der Flucht? Es scheint so. Wir haben gute Fortschritte gemacht. Die Siedlung wächst und gedeiht und auch die Ausblidung derer, die starkes Chi zeigen nimmt Formen an. Wir brauchen einfach mehr Trainingsmöglichkeiten und einen Ort an dem durch Abgeschiedenheit Meditation und Innere Stärke geübt und verfeinert werden können. Ich habe mich dazu entschlossen einen Mönchsorden ins Leben zu rufen und ein Kloster zu gründen. So sind optimale Trainingsmöglichkeiten in allen Richtungen gegeben. Dort hinter der Flussbiegung wird das Kloster entstehen so ist es ein wenig Ausserhalb der eigentlichen Siedlung aber nicht zu Weit damit die Versorgung gesichert ist.
Das Volk welches hier ursprünglich lebt ist von Neugier erfüllt und steht uns offen und freundlich gegenüber. Erste Mischfamilien wurden gegründet und auch Kinder geboren. Dennoch haben auch sie kriegerische Wurzeln. Wenn ich nur wüsste wie man sich ihre Kraft und kämpferischen Fähigkeiten zu Nutze machen könnte...
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#4
Jahr 10 nach der Flucht.

Es ist schon beinahe unheimlich mit welchem Eifer die Exilanten und die Einheimischen sich den Aufgaben widmen die ich ihnen vorschlage. Sie sehen in mir nach wie vor die Personifizierung des Willen des Chi. Auch haben sie damit begonnen ein Heiligtum zu errichten. Ein Zentrum der neuen Lehren. Es ist eine Art Tempel der das Licht der Ausgewogenheit repräsentieren soll. Auch ist ein Kundschafter einer anderen Zivilisation bei uns erschienen. Er kam über die See und stellte sich als Gesandter des Großkönigs von SolOritur vor. Einem vereinigten Königreich. Der erste Kontakt war vorsichtig wenn auch freundlicher Natur. Auch erszählte er etwas vom Schatten im Osten. Einem Land des Bösen...Hat sich die Verderbnis sogar bis in diese welt ausgebreitet? Wir müssen mit der Ausbildung fortfahren um gewappnet zu sein obwohl ich nicht weiß ob es die gleiche Verderbnis wie in der alten Welt ist.
Wie dem auch sei. Mittlerweile zeigt sich mein erhabenes Blut. Im Gegensatz zu meinen Mitexilanten scheine ich nicht zu altern oder sehr viel langsamer. Die Vermischung der Blutlinien dieser Welt mit der unseren scheint gut zu laufen. Die Kinder sind kräftig und gesund was sicher mit ihrem hiesigen Erbe zu tun hat. Es wird ein großartiges Volk werden. Bereit das Erbe zweier Welten anzutreten.
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#5
Jahr 15 Nach der Flucht

Es ist vollbracht. Das Heiligtum und damit auch Zentrum von Peichang Jin ist fertig. Ein Großteil des Daches ist aus purem Gold. Gegeben von der großen Spenderin. Auch andere haben gegeben und die Dankbare Treue sei ihnen gewiss. Doch die große Spenderin gab am meißten. Sie herrscht über einen Ort ganz in prachtvoll ausgemeißelten Höhlen im bunten Fels ihrer Heimat. Ihre Großzügigkeit soll ein Beispiel für jeden unseres Volkes sein.
Auch habe ich in den Alten Schriften die mein Vater mit hierher brachte viel über die Alte und fast vergessene Philosophie der Erhabenen gefunden. So ist dem Ausgleich die Symbolik der vier Elemente gewidmet. Jedem Element ist ein mystischer Avatar zugeteilt um das Bild der gewaltigen Urkräfte zu verdeutlichen. Diese Lehren waren früher nur den Erhabenen zugänglich. Sie sollen jetzt aber allen geöffnet werden. Denn wenn Wissen weggesperrt wird ist es wie Reichtum der weggesperrt ist: Es ist niemandem zu Nutzen. So sollen entsprechende Pagoden um den Haupttempel entstehen mit Statuen der Avatare um das Gleichgewicht zu Ehren und allen seine Wichtigkeit vor Augen zu führen.
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#6
Jahr 20 Nach der Flucht

Eine Generation. So lange sind wir nun hier. Die meißten der Expedition sind nun alt und schwach. Doch die Neue Generation erfüllt sie mit Stolz und ehrt dadurch ihr Vermächtnis. Die Avatare haben es in unsere, ja mann kann nun schon fast Stadt sagen geschafft. Die Philosophie des Ausgleichs wird von jedem einzelnen Menschen hier gelebt und doch ist die ständige Drohung dieses Gleichgewicht zu verlieren allgegenwärtig.
Es macht mir große Sorgen, dass eine gewisse Präsenz der Verderbnis den alten Portalraum nach wie vor erfüllt. Wie ein Hallen eines weit entfernten Rufens in einem Höhlenlabyrinth. Vielleicht sollten wir Wehranlagen bauen um die Errichtung eines Brückenkopfes durch die Verderbnis zu erschweren oder gar zu verhindern. Ich werde mich mit meinen alten Freunden beraten.
Eine weitere Nation hat unseren Kontakt gesucht. Sie nennen sich Priester des Ra eines Sonnengottes den sie verehren. Sie stellen sich gegen die Zitadelle des Bösen und so werden wir einige Mönche und Baumeister zu ihren Stätten schicken um sie zu unterstützen. Sie sind noch viel dichter an den dunklen Landen der Zitadelle angesiedelt. Und wir werden ihnen helfen um ihren Traum eines friedlichen Lebens in ihrer Heimat zu verwirklichen. Nur hoffe ich, dass das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse sich nicht zu sehr in Richtung Gut neigt. Die Erfahrung in der alten Welt haben gezeigt, dass sich dann entweder das Gute ins Böse verkehrt oder das Böse erstarkt wodurch eine größere Spannung entsteht welche sich irgendwann entläd...
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#7
Jahr 25 nach der Flucht

der Schatten der Vergangenheit hat uns wieder eingeholt: Das Portal öffnete sich und die Kreaturen des Schreckens sprangen daraus hervor. Doch wir schlugen sie zurück. Der Preis war hoch. Von der ehemaligen Expedition lebt nur noch einer. Und auch Novizen und Mönche wurden dezimiert. Doch die Samurai haben sich zusammengefunden und wurden zum Zünglein an der Waage. Obwohl nicht mit der Kraft des Chi ausgestattet warfen sie sich todesmutig den Bestien entgegen.
Mehr noch mir gelang es mit einigen von ihnen und ein paar Mönchen Durch das Portal in die alte Welt zu gelangen und die Apparatur welche die Kreaturen durch das Chi von gefangenen betrieben entgültig zu beseitigen. Das Herzstück der Apparatur ein Uraltes Artefakt zum Kanalisieren des Chis in den Abgrund zwischen den Welten wurde mir von einem Mönch übergeben und im letzten Moment des Aufbäumens des Portals kamen wir wieder zurück.
Das Artefakt warf ich in ein unterirdischen Lavasee woraufhin es unter donnerhall alles Chi frei ließ und in der brodelnden Masse verging.
Was dann geschah war seltsam: Die Rückkehr nach Peichang Jin glich einem Triumphzug. Und die Leute riefen mich bei meinem alten Titel an: Erhabener.
Erhabener...diese Narren. Sie haben sich doch selbst gerettet. Ich habe nur den Anstoß gegeben. Doch sie wollen mich auf jeden Fall weiter so ansprechen. Freudige Ehrfurcht ist in ihren Gesichtern zu lesen, wenn sie mich anblicken. Als sähen sie zu mir auf. Auch mein alter Freund grinst nur noch wenn ich mich darüber aufrege. Hat mir dieser zahnlose Tattergreis doch tatsächlich geraten endlich die Geschicke des Volkes aktiver in die Hand zu nehmen und mich mit verschmitztem Grinsen einen alten Sturkopf genannt. Ich solle das Schicksal meiner Herkunft annehmen... Ich werde ihn vermissen wenn er von mir geht denn nach wie vor scheint die Zeit an mir vorüber zu gehen und keine spuren zu hinterlassen. Keine körperlichen doch die Seele...wer weis was für ein Mensch ich in 100 oder gar mehr Jahren bin. Macht es mich zu was Besserem nur weil ich so viel älter werde und über starkes Chi verfüge? Ich glaube nicht.
Aber vielleicht ist es genau das was das Volk an mir bewundert...Wir werden sehen...
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#8
Jahr 30 nach der Flucht.

Gestern ist mein treuer Freund im Alter von 95 Jahren gestorben. Friedlich ist er dahingeschlummert und hatte doch noch ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen. Ich hatte ihm gesagt, dass ich aufgebe und mich den Herausforderungen als Erhabener stelle. Er meinte als letztes, ich sei würdig das Erbe meiner Vorfahren anzutreten.
Aber auch das Volk scheint der gleichen Meinung zu sein: Sie haben angefangen einen Palast zu errichten. Der Reichtum, der durch den Handel mit Sol Oritur und den Priestern des Ra entstand wird meine neue Bleibe in prächtistem Glanz erstrahlen lassen. Und wie mich die Leute jetzt behandeln. Überall wird mir mit großer Ehrerbietung begegnet. Nicht wie einem der Erhabenen der alten Welt. Nicht weil ich sie mit meiner Macht in den Boden stampfen könnte sondern mit einer Mischung aus tiefer Verbundenheit und Dankbarkeit. Aber so schön das auch ist, so läßt es mir auch das Blut in den Adern stocken. Was wenn das Übel aus der Alten Welt seine Hände nach ihnen ausstreckt und wir es nicht schaffen es zurückzuschlagen? Was wenn das neue Übel, jene Zitadelle des Bösen aus seinem Schlummer erwacht und angreift? Was wenn andere Gefahren dem Volk von Peichang Jin drohen? Und zu guter Letzt: Was wenn ich der Dekadenz meiner Vorfahren erliege....?
Die Zeit wird weisen was passiert und ich werde das Spiel um den Ausgleich spielen. Was immer auf uns zukommt das Volk von Peichang Jin wird überleben solange ich noch zu einem Atemzug imstande bin.
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